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Meine Armeezeit

Meine Armeezeit bei der NVA

 Es fing alles damit an das ich schon immer für das Funken interessiert habe. In Oberweißbach unter der Anleitung eines ehemaligen Marinefunkers, Erich Götze, hatte ich in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) die Gelegenheit dazu mit 14 Jahren das Morsealphabet zu erlernen.

Ein Jahr später kam ich das erstemal mit der NVA in Berührung. Mit 15 Jahren wurde Jugendliche für ihren späteren Wehrdienst erfasst und verpflichtete mich für eine 3-jährige Dienstzeit als Funker/Truppführer.

 3 Jahre später ……..

 Als ich im Dezember 1967 meinen 18-ten Geburtstag gefeiert hatte wurde ich am

12.03. 1968 zur Musterung nach Neuhaus/Schmalenbuche eingeladen. Nach kurzer Vorstellung seitens der Kommission und Abgleich meiner Daten wurde ich gefragt ob ich meine Vorverpflichtung für eine 3-jährige Dienstzeit einhalte. Ich sagte JA unter der Bedingung das ich im Mai eingezogen und als Funker eingesetzt werde. Das wurde mir von Seiten der Kommission bestätigt. Als Standort wurde mir Erfurt genannt.

 Der 1. Mai war erst einmal der letzte Tag in meinen Zivilleben. Ich nahm mit meinen Kameraden der GST am Maiumzug teil. Anschließend feierten wir am Wormsbrunnen meinen Abschied mit Bier, Bratwürsten und Rostbrätl.

 2. Mai – Einberufungstag

Ab 0 Uhr war ich Angehöriger  der Nationalen Volksarmee !

 Jetzt war mein Wehrpass mein gültiges Personaldokument. Mein Personalausweis wurde im WKK hinterlegt.

Sammeltransport ab Bahnhof Sonneberg. Bis dahin hatte ich eine Freikarte mit den Bus.

Vor der Abfahrt wurde unser Gebäck auf Alkohol kontrolliert. Wurde welcher gefunden wurde er sofort durch ausschütten vernichtet. Auch ich musste eine Flasche opfern. Schade darum ! Aber wir wussten ja das es verboten war.

 3. Mai – Ankunft in Brandenburg/Hohenstücken

 5.00 Uhr – Ankunft auf dem Bahnhof und Brandenburg. Hier wurden wir von Unteroffizieren in Empfang genommen und mit LKW’s zum Standort Hohenstücken gefahren. Kurze Einweisung, ab zur BA-Kammer. Das erste was ich bekam war die Zeltplane die zu einen Sack geknöpft wurde. Hier wurden alle Uniformteile reingeschmissen.  Danach einteilen in Gruppen und Einweisung in die Zimmer. Durch den Gruppenführer, einen Unteroffizier , wurden wir im Schrank- und Bettenbau eingewiesen. Sorgen machte mir das ich WEISS umrahmte Schulterstücke erhaltenen habe.

Ich wusste bei Nachrichten ist die Waffenfarbe GELB. Ich meldete meinen Gruppenführer das ich einen Vorgesetzten sprechen wollte, nach längerer Diskussion meldete er mich an.

Ich brachte Ihn mein Anliegen vor: „Das ich mich für eine 3-jährige Dienstzeit als Funker in einer Nachrichteneinheit verpflichtet hätte und nicht als Mot-Schütze. Wider erwarten hörte er mir aufmerksam zu und versprach mir, sich um meine Angelegenheit zu kümmern.

Gerade als ich meinen Schrank so einigermaßen eingeräumt hatte kam mein Gruppenführer zu mir und gab mir den Befehl alles wieder in meine Zeltplane einzuräumen und meine Uniformteile in der BA-Kammer abzugeben. Ich würde versetzt ! Nachdem alles erledigt war und ich  meinen Zivilanzug wieder angezogen hatte durfte ich einen LKW besteigen und ab ging die Fahrt ins Ungewisse.


 

3. Mai gegen 20 Uhr - Ankunft in Potsdam/Eiche

 In Empfang nahm mich der Hauptfeldwebel der Komandantendienstkompanie, oder kurz KD genannt. Auch unter den Namen Regulierer  oder Militärpolizei bekannt. Früher sagte man auch Kettenhunde dazu. Ich legte natürlich gleich wieder Widerspruch beim Hfw ein, er sagte mir heute Nacht müsste ich erst mich mal damit zufrieden geben morgen wäre auch noch ein Tag. Wieder das Gleiche – Zeltplane zum Sack knüpfen, alle erhaltenen Ausrüstungsgegenstande in den Sack werfen. Im Zimmer alles wieder ausräumen, Schrank und Bett bauen, ich hatte ja schon Übung darin und dann Gute Nacht !

 Am nächsten Morgen, der Hfw., hatte schon eine entsprechende Meldung gemacht, durfte ich beim Kompaniechef erscheinen und Ihn mein Anliegen vortragen. Er hörte es sich an und versprach mir sich darum zu kümmern. Anschließend wegtreten ! Gegen 11 Uhr war es dann wieder soweit, Schrank ausräumen, alles wieder in die Zeltplane packen und in das nächste Gebäude umziehen.

 Ich war in der 3.Kompanie im Nachrichtenbatallion 1 der 1. MSD gelandet. Kommandeur der 1. MSD war Generalleutnant Skerra.

 Zum NB-1 gehörten 3 Kompanien. Wie ich erst jetzt erfahren habe hatte es den Ehrennamen "Bodo Uhse", Ich weiß zwar nicht nicht was Bodo Uhse für Verdienste hatte, ich selbst kann mich auch nicht an diesen Namen erinnern, aber es steht im Internet und ich denke es hat seine Richtigkeit. Die 1. und die 2. Kompanie waren Funkkompanien und die 3. Kompanie war die Leitungsbaukompanie. Ich war bei den Kabelaffen gelandet. Das war zwar auch nicht mein Ding aber ich hatte zumindest die Waffenfarbe GELB.

Hier fand die Grundausbildung statt und ich erlebte die Höhen und Tiefen des Armeelebens. Die DV 10/1 Exerziervorschrift , wurde uns förmlich auf die Haut zugeschnitten. Nach 4 Wochen fand die Vereidigung auf den Platz der Nationen in Potsdam statt. Anschließend Gruppenausgang in Potsdam. Jetzt konnten wir wieder ein Bier trinken !  PROST !

 Im Laufe meiner Grundausbildung wurde mir mitgeteilt das ich anschließend zur Unteroffizierschule nach Weißwasser versetzt werde. Mein Ziel Funkunteroffizier zu werden hatte ich natürlich immer noch und ich erkundigte mich beim den Uffz. der Nachbarkompanien.

 Sie gaben mir den Tipp:

Wenn du mit den Eisenbahntransport nach Weisswasser kommst werden die einzelnen Trupps aufgerufen. Bei R-118 BM3 meldest Du dich ganz einfach.

Ich hatte natürlich keine Ahnung ob das stimmt, aber ich glaubte an das Gute im Menschen und tat wie mir geraten. UND ES WAR RICHTIG !

 Ich war in der Funkkompanie gelandet. Unsere Station war die Funkstelle mittlerer Leistung die R-118 BM3.

 

 

(Links Sender mit Antennenabstimmgerät, darüber PDU-Gerät, mitte R-311, darüber Bedienteil, unter dem Tisch automatische Taste R 010, links Empfänger R-251)

Gleich zu Beginn erlebte ich wie schwer die Funkerei ist, wir mussten eine R-118 BM3 stationär von einem Unterrichtsgebäude in das andere transportieren. Eine Buckelarbeit !

 Es war eine Harte Zeit in Weißwasser. Einmal Urlaub und zweimal Ausgang im halben Jahr.

Im August erlebten wir dann die „Tschechenkrise“. (Den genauen Datum weiß ich nicht mehr). Plötzlich wurden alle Urlauber zurückgeholt. Gegen 2 Uhr wurde dann erhöhte Gefechtsbereitschaft ausgelöst, die Offiziere und Außenschläfer kamen in die Einheit und Bewaffnung wurde an uns ausgegeben. Gegen 4 Uhr dann volle Gefechtsbereitschaft und wir rückten dann mit Fahrzeugen in den Bereitstellungsraum aus. Am gleichen Tag abends wurde erhöhte Gefechtsbereitschaft für uns angeordnet und wir wurden ins Objekt zurückgeführt. Nach 2 Tagen wurde wieder in den normalen Dienstalltag übergegangen. Das heißt Schutzausbildung, Exerzierausbildung, Spezialnachrichtenausbildung, Küchendienst, Wachdienst  etc. Die Bewegung im Objekt war Laufschritt. Bei 3 Mann Reihe in einen Glied mit Gesang. Einmal in der Woche war Freilichtkino auf der Freilichtbühne. Zum Abschluß Härtetest 30 km mit allen Einlagen.

 Nach bestandener Unteroffiziersprüfung wurde ich wieder in das NB-1 noch Potsdam/Eiche zurückversetzt. Diesmal aber nicht in die 3. sondern in die 1. Kompanie. Endlich hatte ich mein Ziel erreicht und war Funktruppführer auf einer R-118 BM-3.

 


 In der 1. Kompanie angekommen wurde ich Truppführer auf einer Funkstation mittlerer Leistung der R-118 BM-3.

 Der Dienstablauf in der Kompanie sah ungefähr  folgendermaßen aus:

 6:00 Uhr wecken

6:05 Uhr Frühsport

6:20 Uhr Stuben- und Revierreinigen

6:50 Uhr Frühstück

7:30 Uhr Morgenappell

ab 8:00 Uhr Beginn der Ausbildung

 speziell Hören und Geben, Fernschreiben, Funkbetriebsdienst bis Mittags.

Nach dem Mittagessen als Ausgleich Sport.

 15:00 Uhr Putz – und Flickstunde, Waffenreinigen, Arbeitsverrichtungen – also alles was der  Hauptfeldwebel (Spieß ) oder auch die Mutter der Kompanie, Feldwebel Benz

für uns zu tun hatte.

 17:00 Uhr war dann Abendessen angesagt für diejenigen die nicht die Gelegenheit hatten in Ausgang zu gehen.

 16:30 Uhr war für die Ausgänger Ausgangsappell. Kontrolliert wurde z.B. der Haarschnitt, die Bügelfalte der Hose, die saubere Kragenbinde, das saubere Taschentuch und nicht zu vergessen Nadel und Faden damit evtl. ein loser Knopf wieder angenäht werden konnte. 

Der Ausgangsbereich war ganz Potsdam bis Werder-Caputh-Babelsberg. Schöne Tanzgaststätten war das Cafe „Centra“ ein Thür. Spezialitätengaststätte, das „Haus des „Handwerks“, die „Weinbergterrassen“ eine Soldatenabsteige und die Nachttanzbar „Klosterkeller“. Der „Thomas“ in Eiche war immer eine sehr beliebte Gaststätte von uns, hier gab es immer ein sehr großes und schmackhaftes Bauernfrühstück. Hier habe ich auch das erste mal Berliner Weise getrunken. Allerdings so richtig geschmeckt hat mir das Zeug nicht.

 Insgesamt nahm ich an 18 Kommandostabsübungen, Dauer jeweils ca. 3 – 5 Tage und der Übung „Wintersturm“, sie dauerte ca. 3 Wochen, teil.

 Im Standort Potsdam/Eiche war der Divisionsstab der 1. MSD untergebracht. Man konnte immer damit rechnen das der General uns z.B. zum Essenfassen begegnet. Dann kam das Kommando „Achtung“ und es ging im Exerzierschritt am General vorbei. Laut DV musste der UvD die Gruppe zum Essen führen dabei hat er links vorn neben der Gruppe zu laufen. Auf das Kdo „Achtung“ musste er sich an die Spitze stellen und mit Grußerweisung und Blickwendung zum General marschieren. Das ging schief wenn er, wie üblich am Schluß der Gruppe gelaufen ist. Er hat es dann nicht mehr geschafft  und es gab regelmäßig einen Anschiss.

 Aus privaten Gründen stellte ich 1969 ein Versetzungsgesuch etwas näher an meinen Heimatort. Dieses wurde stattgegeben und ich wurde im Herbst 1969 nach Steinheid in die Funktechnische Kompanie 512 versetzt. Die FuTK  gehörte  zu den Luftstreitkräften ( LSK/LV ).

 


            ( Rundblickstation P-15 und Postenturm )

Neu angekommen in Steinheid wollte ich natürlich auch einmal nach Hause fahren. Das war aber nicht so ohne weiteres möglich. Ich hatte ja noch die falsche Uniform an. Aber auch das hat sich in den nächsten Tagen geklärt. Ich wurde neu eingekleidet. Im Gegensatz zu den Landstreitkräften gab es bei den Luftstreitkräften kein Teil 1 und 2 sondern einen Rucksack und einen Brotbeutel der am Koppel getragen wurde. 1970 wurde angeglichen und gleichzeitig wurde zur Ausgangsuniform Koppel schwarz eingeführt. Bis dahin wurde zur Ausgangsuniform kein Koppel getragen.

 


 Der Dienst war total anders als wie ich Ihn kannte. Im NB-1 war täglich Unterricht und wir waren immer bereit zu Übungen auszurücken.

In Steinheid arbeiten wir im Diensthabenden System ( DHS ).Unsere Hauptaufgabe war das Übermitteln von Koordinaten zur Luftlage im Tastfunk. Die Übermittlungsgeschwindigkeit war etwa 120 Za/min. Das DHS war zu meiner Zeit 8 Std. Die restliche Zeit wurde auf der Station verbracht für gelegentliche Verbindungsüberprüfungen. Während der Zeit des DHS sowie einer Stufe der Gefechtsbereitschaft  ( es gab 4 Stufen B1 B2 EG VG ) musste die Station immer von 2 Funkern besetzt sein.

 Die FuTK in Steinheid war die höchstgelegene Funktechnische Kompanie der DDR und natürlich sehr schneesicher.

 


 Es war der 13. Februar 1970 –Ich hatte Urlaub und musste an diesen Tage eigentlich 7 Uhr meinen Dienst antreten. Von Oberweißbach kein Problem, mit den Röhrenwerksbus 5:30 Uhr nach Neuhaus und dann mit den Anschlussbus nach Steinheid. Der Bus war pünktlich in Oberweißbach aber er konnte nicht mehr die Strecke zurück nach Neuhaus fahren. So nahmen wir den längeren Weg über Unterweißbach, Sitzendorf, Mellenbach, Katzhütte Richtung Neuhaus. An der katzhütter Kreuzung kurz vor Neuhaus angekommen, gegen 7 Uhr,  ging gar nichts mehr, alles war dicht. Also machte ich mich zu Fuß auf in Richtung Steinheid. Gegen 11 Uhr kam ich dann am Röhrenwerk an.  Hier oben war dann „schwere“ Räumtechnik im Einsatz. Angehörige der VP unter Ihnen Sepp Hujer, viele werden Ihn noch kennen, er war bei der Verkehrspolizei tätig und nahm die Führerscheinprüfungen ab, sagte mir das Steinheid vollkommen gesperrt sei und ich keine Chance hätte dahinzukommen. Wie weiter ...... Ein Busfahrer aus Scheibe – Alsbach mit seinen 17-Sitzer ROBUR-Bus wollte auch nach Hause und bot sich an mich mitzunehmen wenn ich Ihn helfe.

 


         ( Rundblickstation P-18 )

So fuhren wir gen Steinheid, bis zur Rennsteigbaude ging alles gut, dann haben wir uns gemeinsam durchgeschaufelt. Gegen 17 Uhr waren wir dann am Gasthaus“Quelle“ in Steinheid angekommen. Zur Kompanie kam ich dann mit meinen Kameraden, die mit unserer ATS, ein russisches Kettenfahrzeug mit Spitzpflug, die Straßen von Steinheid räumten. Die ATS war dann auch unser Fahrzeug wenn Urlauber an den Bus gebracht wurden und wir die Semmeln vom Bäcker  holten.

( Entfernung Oberweißbach - Steinheid  21 KM )

 Hier noch ein kleine Episode die mich fast das Leben bzw. die Gesundheit gekostet hätte

 Im Herbst 1970 kam ein neuer Unteroffizier aus Erfurt in unsere Einheit. Er sollte nach meine Ausscheiden die Station übernehmen. Ich arbeitete Ihn entsprechend ein.

In regelmäßigen Abständen wurde die Technik von der Nachrichtenwerkstatt überprüft Dazu wurde sie in das Batallion nach Erfurt überführt. Nach erfolgter Instandsetzung erfolgte die Rückführung nach Steinheid. Die Station kam so gegen 20 Uhr in Steinheid an – Ich erhielt den Befehl die Station wieder betriebsbereit zu machen da der neue Truppführer nicht auffindbar war. Er tauchte aber dann doch rechtzeitig auf und gemeinsam mit meinen Funker  machten sie sich an die Aufgabe.

Plötzlich gab es einen lauten Knall – der UvD stürzte in mein Zimmer und rief mir zu – deine Funkstation ist explodiert. Ich rannte in die technische Zone zur R-118 Stellung, dass erste über was ich stolperte war die Klappe zu Aggregateraum.

Was war passiert:

Wie sich herausstellte wurde bei der Instandsetzung der Tankdeckel am Aggregat nicht ordnungsgemäß verschlossen. Durch die Fahrt von Erfurt nach Steinheid lockerte er sich und das Benzin, der Tank war randvoll, schwappte über und verdunstete im Raum. Mit den Anschließen der Station an das zentrale Stromnetz entstand ein Krichstrom auf dem abgeschirmten Panzerkabel im Aggregateraum. Durch einen Funken wurde das Benzin- Luftgemisch gezündet und es kam zur Explosion. Der Aggregateraum wurde total zerstört. Die innere Holzwand wurde zersplittert und 30 – 40 cm lange Spieße steckten auf der gegenüberliegenden Seite in der Wand. Der Gefr. stand im vorderen Teil und wurde durch einen umherfliegenden Spieß quer in die Seite getroffen. Der Gruppenführer befand sich gerade außerhalb der Station.

Vielleicht hätte ich gerade auf der Sitzkiste, meinen Stammplatz,gesessen ? !

 


Ein paar Tage später am 30.04.1971 wurde ich dann entlassen.

Weitere Infos zu den LSK/LV der DDR und zu Steinheid findet ihr unter:
www.nva-futt.de .

 

 

 

 

 

 



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